Prag

Sven, Michiel, Ich und das Prager Panorama von Petřín
Sven, Michiel, Ich und das Prager Panorama von Petřín

"Czech it out!" Dieser extremst kreative und mir mittlerweile fast schon zum Hals raushängende Slogan ziert das T-Shirt, das ich mir in einem geschmacklosen, ungemütlichen Souvenirshop am Vaclavplatz gekauft habe.

Unser Tagesausflug begann Samstag früh um 3:40h. Mirek hat natürlich wie immer bis zur letzten Sekunde vor dem Zugfenster gestanden und mir nachgewunken. Meine Klassenkameradinnen Eva, Teresa, Jana, Miša und ich hatten das Glück, an der Erststation einzusteigen, so konnten wir problemlos unser eigenes kleines Abteil organisieren. 4 Stunden dauerte unsere Zugfahrt bis zum Prager Hauptbahnhof, an Schlafen war allerdings nicht zu denken, der tschechischen Bahn sind Begriffe wie Klimatisierung oder Isolation anscheinend ein Fremdwort. Frierend und unbeholfen unsere Mäntel so zurechtrückend, dass möglichst viel Koerperteile bedeckt waren, schauten wir halbschlafend den Baeumen hinterher, die im Halbdunkel an uns vorbeizogen. Um ziemlich genau acht Uhr habe ich dann das erste mal Prager Luft geschnuppert. Ziemlich ordinär. Die Gleise laufen durch eine grosse, alte, sehr schoene Glashalle, die man (wahscheinlich nur ich) sofort mit Eisenschmieden und Dampfmaschinen assoziiert. Nach einer schlaftrunkenen Mertofahrt (das Tagesticket kostet hier umgerechnet 5 Euro, genauso viel wie das Hin- und Rueckfahrticket Ostrava<>Prag (5 Euro fuer insgesamt 700 km!!!?)) war unsere erste Sehenswürdigkeit die Karlsbrücke, das Licht war perfekt um zu Fotografieren. Von der Brücke aus hat man eine wundervolle Sicht auf das Flussknie, dass die Stadt in der Mitte teilt. Unser Weg zur Prager Burg (pražský hrad), dem grössten geschlossenen Burgreal der Welt, führte uns vorbei an der deutschen Botschaft. Die Prager Burg wurde über etliche Epochen, vor allem unter der Herrschaft von Karl IV. (Prag ist Karl und Karl ist Prag. Er ist allgegenwärtig.) errichtet und diente all die Jahrhunderte immer als offizieller Sitz des Staatsoberhauptes.

Besonders durch Maria Theresia hat sich die Burg stark verändert, Zentrum des Burgareal ist die Veitskirche.

Michiel (Belgien) und Sven (Deutschland), zwei AFS-Freunde, haben uns dann an einer Metrostation abgeholt, von welcher ich den Namen vergessen habe und wir sind zusammen nach Petřin gelaufen, auf diesem Berg hat man eine tolle Aussicht auf die Stadt, es gibt einen Jahrmarkt, einen Miniatureiffelturm und ein verrücktes Spiegellabyrinth.

Sven hatte an dem Tag noch eine Helikopterfahrt mit seinem Gastpapa, deshalb sind Michiel und meine Schulfreundinnen ohne ihn Mittagessen gegangen. Die Pizzeria hiess grundlos Einstein (oder vielleicht versteht ihr die Pointe des Slogans "E=m*Pizza2") und war sehr billig, aber schön und lecker. Michiel hat seiner Gastmama rote Gerbera an einem Blumenstand in der Metrostation gekauft und ist nach Hause gefahren, der Rest von uns hat das tschechische Nationalmuseum besucht. In dem riesigen, unbeschreiblich aufwendig verzierten Komplex aus Korridoren und riesigen Marmorhallen konnten wir thematisch geordnete Ausstellungen über Tiere, Anthropologie, Edelsteinen, Fossilien und berühmten Tschechen als Eisenguss besuchen. Kafka und Mucha haben wir nicht entdeckt.

Das Nationalmuseum liegt direkt vor dem berühmten Vaclavplatz, der weniger ein Platz als eine mindestens 1 Kilometer lange, zweispurige Fussgaengerzonenwurst mit aufwendig gepflanztem Gruenzeug in der Mitte ist. Ein Karamellfrappuchino bei Starbucks hat mich beim Postkarten schreiben unterstützt.

Unsere letzten Sehenswürdigkeiten waren dann noch der altstädter Ring mit dem Rathaus, einem Denkmal für Jan Hus, einige Kirchen und einer grossen Uhr, vor der um sechs Uhr wie die Geier alle Touristen standen, um Fotos von den Männchen zu machen, die durch einen Mechanismus aus zwei kleinen Fensterchen geschaut haben. Durch die teuerste Strasse Prags schlendernd, deren Name ich auch vergessen habe, kamen wir noch am neuen und alten Prager Nationaltheater vorbei, auf das wir von einem Café gegenüber einen schönen Blick hatten. Kurz bevor wir die nächste Metro zum Hauptbahnhof genommen haben, habe ich darauf bestanden nochmal zur nächsten Brücke zu rennen, von der aus ich die Karlsbruecke fotografieren konnte.

Um 8 Uhr 11 löste der Zugführer die Bremsen und nach einiger Zeit verlor sich die Stadt in immer kleiner werdenden goldenen Lichtern.

Ich war traurig, aber froh.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ach. (Montag, 20 September 2010 19:05)

    Ich mag mein Internet nicht, das ist jezt schon das zweite Mal, das ich versuche, diesen Post zu kommentieren.
    Tatsaechlich behaupten die Polen, Tschechisch sei weiter vom Polnischen entfernt als Slowenisch oder Slowakisch oder beides. Ich hab deine Frage verstanden, also kann's nicht so schwer sein;-)
    Du putzt dir die Zaehne auch vor dem Fruehstueck? Wow.
    WOher kannst du so gut Tschechisch? Ich waere auch gern schon so weit.
    Die Post hier ist kacke, gib dem Brief noch ne Woche. Wie fandest du mein Buch?

    Viel viel Spass noch,

    der Sheng.