Das Haus

Ich lebe im Industriesmog, aber das macht nichts, in ein paar Monaten bin ich draussen und so lange möchte ich die totale Verschmutzung geniessen.

Heute hab ich herausgefunden, dass ich schon seit fast 3 Monaten neben einem Schatz wohne, ohne von seiner Existenz zu wissen. Ein Haus. Es ist unbewohnt und ich habe das Meiste davon für einen Stall gehalten. Heute morgen überkam mich das Bedürfnis herauszufinden, was sich hinter der grauen Fassade versteckt. Ein alter Kinderwagen parkt auf den kaputten rot-schwarz gemusterten Küchenfliesen. Alles ist zum Zerbersten schmutzig, vorhangartige Spinnweben hängen wie Regale in den Zimmerecken, die Decke in dem Raum, der einmal als Wohnzimmer gedient haben muss, ist nach oben gewölbt und wird in der Mitte von einer alten Petroleumlampe geziert. Die Stuckwände und die hellblaue Lackierung der Türrahmen bröckeln und blättern ab. In einem kleinen zitronengelb getünchten Kämmerchen steht ein riesiger, bronzefarbener Blechbeuler, vor dem eine kleine Badewanne angebracht ist. In der Wanne liegen Holzscheite, Leinensäcke und ein Haufen Dreck. Ein Schritt über die morsche Türschwelle und die Zeit katapultiert dich in die Nachkriegszeit. Neben dem Plumpsklo liegt eine Wochenzeitung von 1957,weder in den Keller noch auf den Speicher wage ich einen Fuss zu setzen.

Als mich Babička aus der Hintertür kommen sieht, legt sie die Hinde in die Hüften, neigt die Schultern zurück und lässt aus  ihrem zahnlosen, lächelnen Mund ein lautes Lachen klingen. Sie hat ywek Zwiebeln in der Hand und an unrer Stern klebt eine braune Hühnerfeder. ‚Včera tam našla jsem starý cukr, který koupily jsme v roku 80, protože myslely jsme, že cukr bude drahý..‘ (Gestern habe ich dort alten Zucker gefunden, den wir 1980 mal gekauft haben, weil wir dachten, dass Zucker teuer wird..) Und weil Zucker nicht alt wird, backt sie gerade einen Kuchen davon.

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