Midstaycamp

Herrgott, das Leben ist hart. Nein, weich. Oder wie auch immer man die Konsistenz dieses vor sich dahinschmelzenden, undefinierbaren Schneedreckbreis beschreiben möchte. Jedenfalls, macht er es einem echt schwer, von Punkt A nach Punkt B zu gelangen. Und der Smog, gute Güte!! So, nun aber zu dem wirklich wichtigen Ereignis dieses Wochenendes: das Midstaycamp! (intelligente Menschen konnten das schon der Überschrift entnehmen..)

Es ist immer ein bisschen schwer, wenn man sich wohlfühlt. Weil man realisiert, dass die Zeit, die man  geniesst, zeitlich begrenzt ist. (Bon, das Gute daran ist, dass die schlechten Zeiten dem selben Naturgesetz unterliegen). Diesmal war es ein Wochenende.Am Samstagmorgen habe ich Ert und Sham Poo (ja, sie heisst wirklich so) auf dem Bahnsteig in Olomouc aus dem Zug aussteigen sehen, in dem ich zwei Stunden gelangweilt und erfolglos die Regelmässigkeit im Muster der Sitzbezüge zu analysieren versucht habe. Natürlich war ich trotzdem glücklich, die dauerlächelnden Thailänderinnen zu sehen. Schliesslich hatten wir in diesem Bahnhof noch eine Stunde totzuschlagen und sechs Hände hauen besser als zwei. Haha. -.-

Ein positiver Nebeneffekt an der Tatsache, dass wir uns so selten sehen, ist, dass man sich immer viel zu erzählen hat.

Wir sassen also jede mit einem Kaffe in einer Bäckerei, während ein alter, weisshaariger Mann in Daunenjacke, Moonboots und mit einem riesigen Stück Linzertorte aufmerksam unser halb tschechisch halb englisches Gespräch verfolgte. Es stellte sich heraus, dass er deutsch sprechen konnte (wie fast alle alten Leute), ich habe versucht, ein Gespräch über das kalte Wetter anzufangen, dann aber doch versucht, mich wieder unauffällig den Thailänderinnen zuzuwenden, deren Konversation nun von einem weiteren Landsmann bereichert wurde; Moss der Gitarrist aus Bankog, der gerne fremde Leute im Park kennenlernt und das Freundesfreundeprinzip perfekt beherrscht.

Langsam aber sicher kamen alle an; der mann, der uns die ganze Zeit beobachtet hatte, drückte mir einen Zettel in die Hand, auf dem stand:

 

ICH WAR ARZT. ICH BIN VERHEIRATET. ICH SUCHE KAMERADEN UND FREUNDINNEN AUF DER GANZEN WELT. DAS IST MEINE ADRESSE: ...

 

Ich hab ihm freundlich zugelächelt.

Die Jugendherberge war super. Super schön. Und Öko. Was für uns selbstverständlich ist, findet man in Tschechien nur in diesen Ökohäusern: Mülltrennung, Stosslüften, Klospülungen mit zwei Tasten, um Wasser zu sparen...Jaja, endlich hat alles wieder Sinn gemacht. Wir haben über unsere Gastfamilie gesprochen, wie wir unsere Freizeit gestalten, wie wir in der Schule mitkommen... wir haben zwei tschechische Weihnachtslieder auswendig gelernt, eine Schneeballschlacht gemacht und viel Zeit mit der Gitarre auf einem Berg aus Sitzsäcken verbracht. Am Samstagabend haben sich alle in Schale geschmissen, es gab ein Dinner für uns, alle waren so schön! Danach haben wir Geschenke getauscht (ich habe ein krtek-Schlüsselanhänger bekommen und einen Minilebkuchen mit meinem Namen drauf..), Moss und ich haben Wonderwall und Boulevard of broken dreams im Kanon gesungen und alle waren glücklich.

 

Ach ja, und ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG, SARAH!

Ich hab vergessen anzurufen und jetzt ist es schon so spät... Brief kommt in bälde!! :)

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Kommentare: 3
  • #1

    Abchasischer Grossmogul (Dienstag, 14 Dezember 2010 17:52)

    Ist das Leben nicht eine verdreckte, erbaermliche Hure? Und ein Wombat in Schoko gewaelzt obendrein? Ich hab gerade deine Epistel erhalten und lachen muessen ob der vielen netten Dinge, welche selbige enthielt. Und du wirst noch mehr lachen, wenn du mein Rechteck Papiermasse mit Schwarz drauf erhaelst, denn wir haben uns mehr oder weniger gleichzeitig geschrieben! Ulkig. Wer antwortet? Ich mach das mal, dann krieg ich einen ULTRABrief (ULTRA grossgeschrieben nach dem Gesetz toller Dinge) von dir!
    Hach. Ojtam,ojtam.

  • #2

    Christel (Dienstag, 14 Dezember 2010 22:47)

    Ja, das Leben kann hart sein, aber es hat auch seine schönen Seiten .... und heuer kam der Winter früh, es flöckelt wieder und der Breisgau erscheint wie nach einer Puderzuckerdusche ;-) ...... kein Smog, dafür kalter Ostwind und zwischendurch dann wieder aufgrund von starken Temperaturschwankungen zwischendurch Schneeschmelze und Flüsse die sich verselbständigen .....
    Du hast Halbzeit, ich kanns nicht fassen ....
    Dir eine gute zweite Hälfte :-)
    liebe Grüße
    sei herzlich umarmt
    Bussi Christel

  • #3

    Petra (Dienstag, 21 Dezember 2010 23:45)

    Haben wir uns da nicht verrechnet, mit der Halbzeit? Ich war immer der Meinung, daß es 10 Monate sind und nach Adam Riese wäre leider dann erst im Januar Halbzeit.
    Somit wirst du uns noch etwas länger beglücken mit deinen wunderbaren Berichten, von denen du nach meinem Geschmack etwas öfters schreiben könntest.
    Es ist immer so lustig wie du uns teilhaben lässt an dem was so alles passiert in deinem ereignissreichen Leben in fremden Gefielden, oder nun nicht mehr so fremd wie mir scheint.
    Leider hab ichs vergeigt dir zu Weihnachten rechtzeitig zu schreiben (sorry!!!). Da bin ich leider genauso veranlagt wie du, es hat was mit Vergesslichkeit zu tun. Aber du kennst das ja!
    Also möchte ich auf diesem Weg wenigstens ne wunderschöne Weihnachtszeit wünschen und du sollst wissen das du uns fehlst!
    Ganz liebe grüsse aus der Ludwig-Uhland-Str.13, 2. OG Links (von aussen gesehen)!
    Einen dicken fetten Schmatz
    Petra u. Günter