Ausflug in die Slowakei

Mirek hat zum 50sten Geburtstag ein Wellnesswochenende in der Slowakei geschenkt bekommen. Babička musste zu Hause bleiben, für sie war die Fahrt im Auto schon zu anstrengend und ausserdem wollte sie die Hühner nicht alleine lassen. Vor einer Woche hat jemand in die Garage eingebrochen und seither ist sie sehr ängstlich, deshalb musste Alena, meine Gasttante Nachts mit ihr in unserem Haus schlafen. Ich hab Donnerstag und Freitag schulfrei bekommen und deshalb erst am Morgen gepackt :) Nach vier stunden Autofahrt sind wir angekommen, haben gleich die bademäntel angezogen und sind in die Thermalanlage.. das Hotel war klassisch und modern eingerichtet, viel bordeaux, weiss und ebenholz. Leider gab es kein Becken, in dem man ernsthaft hätte schwimmen können, alles war mehr dazu angelegt sich hinzusetzen, auszuruhen und nichts zu tun. alles klar. Nach einer Stunde hing mir das Sprudelwasser schon zum Hals raus. Aber ich hab es genossen Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen und keine Chance zu bekommen, abgelenkt zu werden. 

am nächsten Tag hab ich dann voller Freude doch noch einen einigermassen schwimmtauglichen Pool in der Aussenanlage entdeckt, hatte ihn einen Abend sogar ganz für mich allein. Es gab auch Saunas und Masseurinnen, letztere wollten aber extra bezahlt werden, deshalb hab ich mich dann doch fürs schwitzen entschieden. An den Nachmittagen wurden Schloss Bojnice und Präsident  Masaryks Sommerresidenz besichtigt. Der Teil der Slowakei, den ich auf unserer Reise gesehen habe, ist wahrscheinlich einer der letzten wenigen Flecken, in der man unberührte Natur, liebevoll gepflegte Dörfchen (mit Wäscheleinen, bunten fensterläden und Obstbaumalleen) und zufriedene Menschen sehen kann, ohne sich von der Zivilisation abgeschnitten zu fühlen. Mirek hat aber gesagt, dass sich meine Idylle schnell auflösen würde, wären wir noch hundert Kilometer weiter ins Landesinnere gefahren.

In der Slowakei wohnen viele ethnische Minderheiten, die insgesamt fast 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Vor allem Roma, denen einerseits der soziale Aufstieg durch Vorurteile und Rassismus, andererseits aber auch oft durch ihren Lebensstil, sich ihren Unterhalt durch staatliche Gelder zu finanzieren und lieber viele Kinder zu haben, grösstenteils verwehrt bleibt. Manche dieser Menschen sind aber wirklich so bitterarm, dass sie in provisorischen Pappkartonhütten wie auf einer Müllhalde leben müssen. Der Erhalt der eigenen Kultur und die Integration in die Gesellschaft in der man lebt, scheint hier ein unlösbares Problem zu sein. Die Pläne des Staates, der Unmengen von geldern für soziale Projekte und Migrantenzentren ausgibt, werden von der bevölkerungn missbilligt und kaum unterstützt, weil schon so viele enttäuschende Erfahrungen gemacht wurden und auch weil es nicht nur die Roma sind, die Unterstützung vom Staat bräuchten. Es ist kompliziert und ich verstehe und ärgere mich über beide Seiten. Naja.

 

Auf dem Rückweg sind wir noch an einem Kurort vorbeigefahren, in dessen Stadtpark man Mireks Lieblingsheilwasser umsonst bekommt, für das man in der Apotheke sonst 25 Kronen zahlen müsste. Ich hab ein paar Fotos gemacht, wir sind ein Stückchen gelaufen und dann gings endlich wieder nach Hause.. :)

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Kommentare: 1
  • #1

    Christel (Dienstag, 26 April 2011 18:31)

    Du kommst ganz schön in der Weltgeschichte rum! :-)