Countdown

Hallo meine Lieben,

Ein anstrengendes, schönes, trauriges und hilfreiches Wochenende liegt hinter mir, das letzte AFS-Camp ist vorbei.. Von Freitag bis Sonntag haben wir die zukünftigen tschechischen Austauschstudenten kennen gelernt, viel über die schönen und unangenehmen Überraschungen, die zu Hauseauf uns warten geredet, eine Cambridgedebatte geführt (unsere Gruppe hat beide Runden gewonnen, obwohl wir immer die Arschkarte gezogen haben: Beim ersten Mal mussten wir das Statement vertreten, dass tschechisches Essen gesund ist (LÜGE), in der zweiten Runde der Jury und dem Publikum weissmachen, dass die innere Sicherheit des Staates wichtiger ist als ziviles Recht) und haben uns so gut es ging, verabschiedet. Moss und ich sind Sonntag früher abgefahren, er , weil er zur Generalprobe für ein OpenAirFestival musste, bei dem er mit seiner Band spielen durfte, ich, weil Terka um drei am See Taufe hatte und ich das auf keinen Fall verpassen wollte. Somit haben wir den schmerzhaftesten Teil weggelassen, alles ging ziemlich schnell vorbei. Ich hatte durchgehend irgendeinen Stift in der Hand,bis zum Handkrampf  in Fotoalben, Bücher, auf Flaggen und T-Shirts geschrieben, mir Armbänder umbinden und Taschentücher geben lassen. Mit einem schönen AFS-T-Shirt, einem Diplom und einem kleinen Lächeln kam ich zu Hause am See an, um Terka in den Arm zu nehmen, ich dachte nciht, dass der Tag noch so schön werden würde. Sie hatte weisse Leinenhosen und ein weisses Baumwollshirt an, das sehr schön aussah mit ihrer dunklen Haut und den schwarzen Haaren. Es waren ungefähr zwölf Leute da, auch ihre Eltern, die vom Anlass des Zusammenkommens nicht gerade begeistert waren (Ich glaub ihre Mutter mag keinen, der irgendwas mit Kirche zu tun hat, sie hat mich noch nicht ein einziges Mal angelächelt. Sonst ist sie glaub ich ganz ok), alle anderen hatten gute Laune und waren glücklich. Roman, unser Pfarrer hat eine kleine Andacht gehalten, Vitek hat Gitarre, Honza Klarinette gespielt. Die Sonne schien in einzelnen Strahlen durch die Wolkendecke, der Wind legte die Wasseroberfläche in unendlich viele kleine Falten und wehte durch die alten Trauerweiden am Seeufer.  Nach Terkas Gebet und Zusage liefen beide ein Stück in den See, Terka kniete hin und schwupp, war der Kopf im Wasser. Heraus kamen ein strahlendes Lächeln und triefende Kleider. Alle waren nass vom Umarmen und geflasht. Ich bin echt glücklich, das nicht verpasst zu haben.

Jetzt sind es noch weniger als zwanzig Tage, ich merke, dass es Zeit wird, nach Hause zu kommen. Alle wiederzusehen, wieder problemlos Zeitschriften und Speisekarten lesen zu können und endlich wieder einen Alltag haben und nicht überall eine Dauerausnahme zu sein.

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